Wirtschaftsraum Niederbayern

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Bildquelle: Bezirk Niederbayern

Wussten Sie schon, dass mit 11.825 Hektar 1,1 Prozent der Fläche Niederbayerns als Industrie und Gewerbefläche genutzt wird, jährlich über elf Millionen Gäste in der Region übernachten und jeder zweite Euro in der Industrie im Ausland verdient wird? Nein? Dann werfen Sie einen Blick in die „Strukturdaten 2017“, ein Datenhandbuch, das jährlich in Kooperation mit der Handwerkskammer, der Bezirksregierung und dem Regionalmarketing veröffentlicht wird. Die darin enthaltenen Zahlen und Fakten zeigen die Struktur und Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Niederbayern auf.

In Niederbayern wohnen 1,2 Millionen Menschen. Mit im Schnitt 118 Einwohnern pro Quadratkilometer zählt der Regierungsbezirk zu den am wenigsten dicht besiedelten Regionen Bayerns. Bedingt durch starke Zuwanderung wird die Bevölkerung bis zum Jahr 2035 um voraussichtlich 4,8 Prozent wachsen, wobei stets regionale Unterschiede berücksichtigt werden müssen. Während für den Raum Landshut aufgrund der Nähe zu München ein überdurchschnittlich starker Anstieg von über zehn Prozent zu erwarten ist, werden die Bayerwaldlandkreise Freyung-Grafenau und Regen moderat schrumpfen. Gleichermaßen betroffen sind jedoch alle Regionen von einer zunehmenden Alterung: Bis zum Jahr 2035 wird das Durchschnittsalter auf 47,2 Jahre deutlich ansteigen. „Wie die Daten belegen, ist Niederbayern eine starke und dynamische Region, die auch 2017 neue Rekorde verbuchen konnte. Hohes Wirtschaftswachstum und Beschäftigung auf Rekordniveau prägen das Bild des Standortes. Eine starke industrielle Basis sowie innovative Handels-, Tourismus- und Dienstleistungsunternehmen haben maßgeblich zu dieser guten Entwicklung beigetragen. Auf diesen Erfolgen dürfen wir uns aber nicht ausruhen – Fachkräftemangel, Bürokratieabbau und Digitalisierung sind drängende Themen für die niederbayerische Wirtschaft im kommenden Jahr“, sagt Alexander Schreiner, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern.

Gute Arbeitsmarktsituation

Die konjunkturelle Hochphase in Niederbayern macht sich auch am Arbeitsmarkt bemerkbar. 465.464 Personen sind aktuell in Beschäftigung und damit über 88.000 mehr als noch vor zehn Jahren. Die stärksten Wachstumsraten von über 30 Prozent konnten die Landkreise Straubing- Bogen und Landshut verzeichnen, die schwächste Entwicklung der Landkreis Dingolfing-Landau. Der Großteil der Beschäftigten ist im Dienstleistungssektor tätig, die Industrie stellt knapp jeden dritten Arbeitsplatz. 13,2 Prozent aller Stellen sind dem Handel zugeordnet. Mehr Beschäftigte resultieren auch in mehr Berufspendler. Insgesamt verlassen 350.387 Einwohner ihren Wohnort, um in einer anderen Kommune zu arbeiten – das entspricht rund 70 Prozent aller Beschäftigten. Ebenso profitiert die Arbeitslosenquote, die mit 2,7 Prozent im September zu den niedrigsten Werten in Bayern zählt. Aufgrund witterungsbedingter geringerer Tätigkeit in der Bauwirtschaft steigt die Arbeitslosigkeit in den  Wintermonaten regelmäßig an und klettert dann über die Vier-Prozent-Marke. Die aktuell 11.000 offenen Stellen verdeutlichen, vor welchen großen Herausforderungen die niederbayerischen Betriebe bei der Suche nach Personal stehen. Vor allem beruflich Qualifizierte werden oft erfolglos gesucht – allerdings geht diese hohe Nachfrage nicht mit einem gestiegenen Angebot einher.

Studium boomt, Berufsausbildung stagniert

Die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse im IHK-Bezirk Niederbayern lag im Jahr 2016 unverändert bei rund 4.700, wovon 40 Prozent dem gewerblich-technischen Bereich zugeordnet werden können. Während dort ein positiver Trend in den vergangenen fünf Jahren verzeichnet werden kann, sind die Zahlen im kaufmännischen Bereich leicht abnehmend. Seit 2011 muss das Hotel- und Gaststättengewerbe mit einem Wert von 37 Prozent den stärksten Rückgang in Kauf nehmen. Insgesamt befinden sich aktuell 12.293 junge Leute in 2.925 Betrieben im IHK-Bezirk in Ausbildung.Währenddessen ist der Trend zur Hochschule weiter ungebrochen hoch. An den vier Hochschulstandorten im Kammerbezirk (Passau, Deggendorf, Landshut und Straubing) mit den jeweiligen Außenstellen waren im Wintersemester 2016/17 23.123 Studenten immatrikuliert und damit 60,5 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Knapp die Hälfte der Studenten ist an der Universität Passau eingeschrieben.  

BIP-Wachstum erreicht Spitzenplatz

Niederbayern weist das zweitstärkste Wirtschaftswachstum Bayerns auf: Um 40 Prozent hat sich der Wert der produzierten Waren und Dienstleistungen in der Region seit 2005 auf aktuell 43,6 Milliarden Euro erhöht. Pro Erwerbstätigen ergibt das im Schnitt einen Wert von 66.705 Euro. Jedem Niederbayer stehen jährlich für Konsumzwecke oder zur Ersparnisbildung 21.830 Euro zur Verfügung. Damit liegt der Regierungsbezirk unter dem bayerischen Durchschnitt von 23.658 Euro und das, obwohl die Region mit einem Plus von 26,9 Prozent in den vergangenen zehn Jahren den stärksten Anstieg bayernweit verbuchen konnte. Das höchste Pro-Kopf-Einkommen liegt in der Stadt Landshut (25.615 Euro), das niedrigste im Landkreis Freyung-Grafenau (19.906 Euro). Von der positiven  Einkommensentwicklung profitiert besonders stark der Einzelhandel, der seinen Umsatz auf über sieben Milliarden Euro steigern konnte. Für Ausgaben im Einzelhandel stehen jährlich pro Kopf 6.535 Euro zur Verfügung, wobei neben Nahrungsmitteln die meisten Gelder in die Bereiche Gesundheit und baumarktspezifisches Sortiment fließen. Die Stadt Passau weist mit einer Zentralitätskennziffer von 234,1 als Maß für die Attraktivität eines Standortes den höchsten Wert unter den niederbayerischen kreisfreien Städten auf.

Breite, starke Branchenvielfalt

Hinsichtlich der Bruttowertschöpfung (BWS), also dem im Produktionsprozess geschaffenen Mehrwert, spielt das produzierende Gewerbe mit einem Anteil von 42,7 Prozent eine zentrale Rolle. 130.892 Beschäftigte in 835 Betrieben erwirtschaften einen Gesamtumsatz von 44 Milliarden Euro, wobei jeder zweite Euro im Ausland verdient wird. Die meisten Beschäftigten sind dem Wirtschaftszweig Kraftwagen und -teile (33.303) zugeordnet, gefolgt von den Bereichen Maschinenbau (20.683) und Metallerzeugnisse (16.469). Das niederbayerische Bauhauptgewerbe bekommt von der gegenwärtigen guten wirtschaftlichen Entwicklung Rückenwind. Die Umsätze im Wohnungsbau haben sich seit 2004 auf 607 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Über eine halbe Million Wohnungen stehen aktuell zur Verfügung. Auch die Sektoren Gewerblicher Bau und Industriebau sowie Öffentlicher Bau und Verkehrsbau weisen stark positive Umsatzwachstumsraten auf. Insgesamt zählt das Niederbayerische Bauhauptgewerbe 186 Betriebe mit 13.786 Beschäftigten (plus 45,5 Prozent seit 2006). Darüber hinaus spielt der Tourismus in der Region eine wichtige Rolle. In den 1.753 niederbayerischen Beherbergungsbetrieben mit insgesamt 75.203 Gästebetten können über 11,8 Millionen  Gästeübernachtungen gezählt werden. Während die Übernachtungen auf hohem Niveau stagnieren, reduzierte sich die Zahl der    Beherbergungsbetriebe in den vergangenen zehn Jahren um 475. Der Trend zum Kurzurlaub ist weiter ungebrochen: Lag 2006 die durchschnittliche Aufenthaltsdauer noch bei 4,6 Tagen, verweilen die Gäste nun im Schnitt nur noch 3,8 Tage. Absoluter Spitzenreiter ist Bad Füssing mit jährlich über zwei Millionen Übernachtungen, gefolgt von Bad Griesbach im Rottal (920.792) und Bodenmais (774.259).  

Immer mehr Betriebe

10.237 Gewerbeanmeldungen stehen 9.245 Gewerbeabmeldungen gegenüber, sodass unter dem Strich die Zahl der Betriebe auf mittlerweile 79.717 IHK-zugehörige Unternehmen steigt. Allerdings wird immer weniger gegründet. In Niederbayern weist die Stadt Passau die höchste Gründungsquote auf. Ähnlich der Entwicklung der vergangenen Jahre mussten 225 Betriebe Insolvenz anmelden, wovon 1.118 Arbeitnehmer betroffen waren. Die voraussichtlichen Forderungen beziffern sich auf 88,6 Millionen Euro. Die Gewerbesteuerbelastung für die niederbayerischen Betriebe nimmt weiter zu, mittlerweile hat jede fünfte Kommune einen höheren Steuersatz als noch 2010. Insgesamt schwanken die Werte im IHK-Bezirk Niederbayern zwischen 275 und 475 Prozent.

Quelle: IHK Niederbayern

Strukturdaten 2017