Kreativität kennt keine Grenzen

Bayerisch-Tschechisches INTERREG-Projekt zur Stärkung der grenzübergreifenden Kreativwirtschaft

Wie wichtig die Ansiedlung von Start-ups und Jungunternehmen für die Weiterentwicklung und Wettbewerbsfähigkeit einer Region sind, ist inzwischen allseits bekannt. Der Freistaat Bayern und die niederbayerischen Landkreise haben deshalb keine Kosten und Mühen gescheut, Gründerzentren mit attraktiven und technisch hochwertig ausgestatteten Räumlichkeiten einzurichten. Das Ziel dieser Gründerzentren - die u.a. in Landshut, Passau, Straubing, Deggendorf, Pfarrkirchen und Freyung angesiedelt sind - ist, angehende Unternehmer im Gründungsprozess zu unterstützen und innovative Geschäftsmodelle in die Region zu holen. Ausschlaggebend für die Ansiedlung und Weiterentwicklung von Startups sowie innovativen Geschäftsideen ist eine florierende Kreativszene, wissen Jane Wuth und Johanna Trager von der Technischen Hochschulen Deggendorf. Vorteilhaft für Jungunternehmer in Niederbayern ist zudem die unmittelbare Nachbarschaft zu Tschechien, die sich Gründer schon sehr früh im Gründungsprozess zum Vorteil machen können, ergänzt Christina Tanosova Geschäftsführerin des Vereins für Regionalmarketing Niederbayern-Forum im Rahmen der Projektvorstellung.

Wie es aktuell vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie um die Kreativwirtschaft in Niederbayern und in der tschechischen Region Südböhmen steht, wird nun in einem grenzübergreifenden bayerisch-tschechischen INTERREG-Projekt wissenschaftlich untersucht. Dabei arbeitet die Technische Hochschule Deggendorf sehr eng mit der Universität Südböhmen, dem Südböhmischen Wissenschafts- und Technologiepark (JVTP) und dem Niederbayern-Forum e.V. zusammen. Unterstützt wird das Projekt durch die assoziierten Partner Bayern Kreativ und die EUREGIO Bayerischer Wald – Böhmerwald – Unterer Inn.

Das Ziel des grenzübergreifenden Projekts sei, die Kreativbranche in Niederbayern und Südböhmen zu erfassen, Potentiale zu entdecken und die kreativen Akteure über die Grenze hinweg zu vernetzen, erklärten die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen der THD Jane Wuth und Johanna Trager. Im Rahmen des Projekts werde deshalb ein niederbayerischer und südböhmischer Kreativindex berechnet. Dadurch könne eingeschätzt werden, in welcher Ausprägung Kreativschaffende in Niederbayern und Südböhmen bereits angesiedelt sind, erklärte Prof. Dr. Dorner, Leiter des Technologie Campus der THD in Freyung. Růžena Štemberková, die Leiterin des Zentrums für Technologietransfer an der Universität Südböhmen ergänzte, dass die Kreativbranche viel mehr Akteure umfasse, als man zunächst vermuten würde. „Neben Künstlern und Kreativagenturen gehören der Kreativwirtschaft auch Handwerksbetriebe oder auch Eventanbieter an“, so die Wissenschaftlerin. „Die niederbayerische und südböhmische Kreativwirtschaft wurde bis dato noch nicht fundiert betrachtet“, merkte Prof. Dr. Dorner an. Deshalb wäre es für die Weiterentwicklung und Stärkung der niederbayerisch-tschechischen Grenzregion von Bedeutung, Potentiale in der Kreativwirtschaft zu identifizieren und zu erschöpfen. Durch die Stärkung der Kreativwirtschaft werde aber nicht nur ein bestimmter Wirtschaftssektor gefördert, vielmehr ließe sich somit ein Dominoeffekt erzeugen, der dem Grenzraum in vielerlei Hinsicht zugutekommt, sind sich die Projektpartner aus Deutschland und Tschechien einig. „Eine lebendige Kreativszene zieht Startups an und ist vor allem für junge Leute, die heutzutage aus den ländlich geprägten Gebieten eher abwandern besonders attraktiv“, ergänzte Christina Tanosova. Durch die Stärkung der Kreativbranche könne somit auch ein Stück weit dem Mangel an nachkommenden Fachkräften, der sich in Niederbayern und Südböhmen gleichermaßen abzeichne begegnet werden, so die Experten.

Gefördert wird das Projekt über INTERREG V-Mittel für grenzübergreifende Zusammenarbeit „Ziel ETZ Freistaat Bayern-Tschechische Republik 2014-2020“. Das grenzübergreifende Projekt hat eine Laufzeit bis Ende 2022. Während die wissenschaftliche Studie zur niederbayerisch-südböhmischen Kreativwirtschaft erarbeitet wird, sollen die bayerischen und tschechischen Kreativschaffenden im Rahmen von Netzwerkveranstaltungen in Austausch gebracht werden und aktiv in das Projektgeschehen miteingebunden werden, informierten die Projektverantwortlichen aus Bayern und Tschechien.

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