Bayerns "Brutkasten" für die Rohstoffe von morgen

Das niederbayerische Straubing setzt bereits seit 20 Jahren konsequent auf die Zeit nach Öl und Kohle. Besonderes Juwel: das einzigartige Technologie- und Gründerzentrum als Ideen- und Versuchsuniversum für die Rohstoffe der Zukunft. Zum Jubiläum haben die Verantwortlichen große Pläne!

Straubing (obx) - Es ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie kaum jemand vorausgeahnt hat: Als das niederbayerische Straubing vor 20 Jahren auf der grünen Wiese ein Technologie- und Gründerzentrum für nachwachsende Rohstoffe eröffnete, steckte das Thema noch in den Kinderschuhen. Heute ist der Inkubator im Straubinger Hafen ein Schrittmacher für die Zukunftsenergie von morgen - weit über die Region hinaus. Die Saat ist aufgegangen: Aus vielen zarten Pflänzchen von einst sind erfolgreiche Unternehmen herangewachsen: "Von den ehemaligen Mietern sind mittlerweile 59 Betriebe mit über 450 Mitarbeitern in der Region Straubing-Bogen ansässig", sagt Stefan Niedermeier, der Leiter des Gründerzentrums.

Straubing setzt seit zwei Jahrzehnten konsequent auf das Thema nachwachsende Rohstoffe. Das Gründerzentrum gilt heute als ein wichtiger Motor und "Brutkasten" für die Vorreiterrolle, die der niederbayerischen Stadt unter anderem zweistellige Millioneninvestitionen des Freistaats Bayern sicherte und die Gäubodenmetropole zum Universitätsstandort machte. Der Erfolg des Zentrums lässt sich auch in Zahlen messen: Seit der Eröffnung am 22. Mai 1998 nutzen über 150 Firmen mit rund 740 Beschäftigten das Angebot des Technologie- und Gründerzentrums, sagt Niedermeier. Auch heute, zwei Jahrzehnte nach dem Start brummt die Einrichtung im Straubinger Hafen: Derzeit sind im nahezu voll besetzten Technologie- und Gründerzentrum Straubing-Sand auf knapp 4.000 Quadratmetern Fläche 44 Unternehmen mit rund 160 Beschäftigten zu Hause.

Als das Gründerzentrum vor 20 Jahren startete war es im Sinne des Wortes ein Pionierprojekt auf der "grünen Wiese" im neuen gerade sich entwickelnden 220 Hektar großen Hafen Straubing-Sand. "Über die Jahre hat sich der Hafen kontinuierlich entwickelt und besiedelt, so dass sich das Zentrum heute mitten in einem florierenden Wirtschaftsstandort befindet. Und Straubing wurde in dieser Zeit zum Universitätsstandort", sagt Niedermeier. Er und seine Mitstreiter arbeiten seit Jahren nach dem Motto: Stillstand ist Rückschritt. Im Zuge der Entwicklung von Straubing als Region der Nachwachsenden Rohstoffe wuchs das Gründerzentrum um den so genannten "BioCubator", Bayerns Unternehmerzentrum für Nachwachsende Rohstoffe. Heute bietet das Technologie- und Gründerzentrum Unternehmen neben Büros auch Laborflächen.

Zufriedene Mieter sind seit der Gründung der Schlüssel zum Erfolg des Projekts. Ansässige Unternehmen schwärmen von den Standortbedingungen: "Am BioCampus Straubing haben wir ideale Voraussetzungen für den Betrieb unserer Zellulose-Ethanol-Demonstrationsanlage", sagt beispielsweise Markus Rarbach von Clariant. Das Spezialchemie-Unternehmen hat eine Technologie zur Marktreife entwickelt, mit der man Biotreibstoffe aus Agrarreststoffen wie Stroh herstellen kann. In Straubing investierte die Firma mehrere Millionen Euro in ein Entwicklungszentrum. Die gute Vernetzung am Standort ist für Clariant und viele andere Mieter ebenfalls zentral: "Ein weiterer wichtiger Faktor für uns ist die Ausrichtung der Region als Zentrum für Nachwachsende Rohstoffe und die hohe Kompetenz in diesem Bereich", sagt Rarbach.

Für die Zukunft haben die Straubinger große Pläne: "Wir wollen das Ensemble nochmals deutlich erweitern - wieder mit Büroflächen und auch voll ausgebauten biotechnologischen Laboren", sagt Zentrumsleiter Niedermeier. Dabei setzt er stark auf den weiteren Ausbau des Universitätsstandorts Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit. Als Integratives Forschungszentrum ist der Campus Straubing voll in die Technische Universität München integriert. Sieben neue Professuren und ein neues Laborgebäude sollen Straubings Führungsrolle im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe nochmals stärken. 

Am 27. und 28. Juli 2018 feiert das Technologie- und Gründerzentrum den 20. Geburtstag mit einem zweitägigen Sommerfest.
Mehr Informationen: www.hafen-straubing.de